Chinas Billigkonkurrenz bedroht jetzt auch deutsche Wechselrichter-Hersteller

Von | 11. Juli 2024

Die Solarkrise zieht immer weitere Kreise. Erste Firmen melden Insolvenz an – einige, weil sie sich verzockt haben. Der Wettbewerb intensiviert sich durch die starke Konkurrenz aus China, niedrige Preise und sinkende Margen. Deutsche Hersteller verlieren zunehmend Marktanteile und können gegen die Dominanz der chinesischen Anbieter nicht mehr bestehen. SMA Solar, ein Unternehmen aus der Nähe von Kassel, lockt Kunden mit finanziellen Anreizen. Beim Kauf eines Wechselrichters, der Gleichstrom in Wechselstrom umwandelt, erstattet das Unternehmen bis zu 400 Euro. Andere Hersteller setzen auf ähnliche Cashback-Aktionen, um ihre Produkte attraktiver zu machen (handelsblatt: 09.07.24).

Solarkrise trotz Boom: Billige Konkurrenz aus China setzt deutsche Hersteller unter Druck

Obwohl die Nachfrage nach Solaranlagen boomt, stapeln sich wichtige Spezialgeräte in den Hallen der Händler und Hersteller. Dies führt zu einem immer größer werdenden Problem für die Produzenten. Vor wenigen Tagen gab Europas Marktführer SMA Solar eine Gewinnwarnung heraus. Die Aktie verlor daraufhin zeitweise über 30 Prozent. Als Gründe wurden die Verunsicherung durch den Rechtsruck bei der Europawahl und eine schwächere Nachfrage genannt. Brancheninsider sehen dies anders. Ein führender Manager erklärte gegenüber dem Handelsblatt: „SMA leidet unter der billigen Konkurrenz aus China – mehr nicht.“ Ein Rückgang der Nachfrage sei nicht erkennbar, höchstens ein langsameres Wachstum. „Dass sich der Markt nach dem Boom so schnell abkühlt, hat niemand erwartet“, betonte er.

Von Rekordzahlen zum Absturz: Solarhersteller kämpfen gegen chinesische Übermacht. Krise trifft jetzt auch Wechselrichter-Hersteller

Händler, Installateure und andere Hersteller bestätigen dies. Der Bundesverband der deutschen Solarwirtschaft rechnet dieses Jahr sogar mit einem zweistelligen Plus. Trotzdem droht ein ruinöser Preiskampf.

Preisverfall und Massenentlassungen: Chinas Billigmodule bringen europäische Solarfirmen in Bedrängnis

Die Lager leeren sich nicht so schnell wie erwartet, konstatiert Harald Scherleitner, Chef der Solareinheit des österreichischen Wechselrichter-Spezialisten Fronius. Vor einem Monat entließ das Unternehmen 350 Mitarbeitende. Bereits im Dezember befanden sich 1300 Beschäftigte der Photovoltaik-Fertigung in Kurzarbeit. Scherleitner führt dies nicht nur auf die Zurückhaltung der Hausbesitzer bei Investitionen in Solartechnik zurück, sondern vor allem auf die „Dumpingpreise“ der Hersteller aus China, die den Markt mit Produkten unter Herstellungskosten überschwemmt hätten.

Chinesische Produzenten haben während des Booms ihre Fabriken massiv erweitert und wissen nun nicht wohin mit den Geräten. Brancheninsider prophezeien den Herstellern von Wechselrichtern dasselbe Schicksal wie den Modulproduzenten. Die Solarindustrie warnte vor Monaten vor den Folgen der zunehmenden Anzahl an Billigmodulen aus China. Innerhalb eines Jahres fielen die Anlagenpreise um knapp 56 Prozent. In der Folge verlagerten die letzten verbliebenen Hersteller der heimischen Solarindustrie ihre Produktion ins Ausland, während andere Insolvenz anmelden mussten. Traditionsunternehmen wie Solarwatt aus Dresden gaben die eigene Modulproduktion auf.

Krise bei Wechselrichtern: Preissturz und chinesische Konkurrenz treiben europäische Hersteller in die Insolvenz

Jetzt bahnt sich dieselbe Krise auf dem Markt für Wechselrichter an. Die Preise für Stromwechsler sind seit letztem Jahr um 30 Prozent gefallen. Die Konkurrenz aus Fernost liegt preislich deutlich unter den europäischen Herstellern. Das zeigen Angebote, die dem Handelsblatt vorliegen. Ein vergleichbares Gerät eines großen chinesischen Anbieters ist teilweise 30 bis 40 Prozent günstiger.

Solarnative, Entwickler des weltweit kleinsten Wechselrichters aus Frankfurt, meldete Ende Juni Insolvenz an. Grund war eine fehlende Finanzierung. In Branchenkreisen ist von der finanzstarken Übermacht chinesischer Konkurrenten die Rede.

Trotz hoher Nachfrage: Volle Lager und Produktionsprobleme belasten europäische Solarhersteller

„Wir haben kein Nachfrageproblem bei Wechselrichtern, sondern ein Lagerbestandsproblem“, erklärt Baywa-Re-Manager Frank Jessel. Vor allem bei Solaranlagen fürs Eigenheim seien die Lager voll. „Gerade hier sind die europäischen Hersteller besonders präsent“, erläutert der Solarhandels-Chef. Mit dem Ausbruch des Ukrainekriegs und der Energiekrise stieg die Nachfrage für alternative Energieformen Anfang 2022 extrem. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland mehr als eine Million neuer Solaranlagen installiert.

Aufgrund von Lieferkettenproblemen infolge der Coronapandemie konnte die massive Nachfrage nicht sofort bedient werden. Kunden mussten monatelang auf ihre Solaranlagen warten. Auch die Produktionskapazitäten reichten nicht aus. SMA kündigte eine Verdopplung der Fertigung an, Fronius investierte 420 Millionen Euro in die Erweiterung der Produktion und stellte 2000 neue Mitarbeitende ein.

Von Rekordzahlen zum Absturz: Europäische Solarhersteller kämpfen gegen chinesische Übermacht

Noch 2023 profitierten die Hersteller von der Rekordnachfrage. SMA konnte seinen Umsatz um fast 80 Prozent steigern. Doch die abgeflaute Nachfrage und die Konkurrenz aus China belasten nun die Unternehmen. Chinesische Hersteller dominieren mittlerweile auch den europäischen Markt. Laut WoodMackenzie vereinen Huawei, Sungrow, Ginlong, Growatt und GoodWee knapp 70 Prozent des globalen Markts für Photovoltaik auf sich.

Der Aktienkurs von SMA ist in den letzten zwölf Monaten um 75 Prozent abgestürzt, der des israelischen Konkurrenten Solaredge sogar um 90 Prozent. Der Preiskampf auf dem Wechselrichtermarkt hat gerade erst begonnen. Europäische Produzenten versuchen sich nun stärker auf den US-Markt auszurichten. Fronius und SMA planen Fabriken in Nordamerika. In den USA sehen sie großes Potenzial, auch wegen restriktiver Einfuhrauflagen für chinesische Solarprodukte.

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