Drei Milliarden Euro in Schutt und Asche – modernstes Kohlekraftwerk Moorburg gesprengt

Von | 28. März 2025

Das Steinkohlekraftwerk Hamburg-Moorburg ist endgültig Geschichte. Die beiden riesigen Kesselhäuser wurden gesprengt. Ursprünglich galt die Anlage als eines der modernsten und effizientesten Kraftwerke Deutschlands. Der Bau hatte rund drei Milliarden Euro gekostet. Doch nun soll das Gelände einer neuen Nutzung weichen: Der Erzeugung von grünem Wasserstoff (ndr: 20.03.25).

Ein kurzer Betrieb und ein abruptes Ende

Nach weniger als sechs Jahren Betriebszeit endete 2021 der Einsatz des Kraftwerks. Bereits im November 2024 fiel der Schornstein der Sprengung zum Opfer. Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) sprach damals von einem „wichtigen und schönen Tag für Hamburg“.

Die beiden riesigen Kesselhäuser des Steinkohlekraftwerks Hamburg-Moorburg wurden nach nur sechs Jahren Betriebszeit gesprengt

Kritik an der Anlage gab es von Beginn an. Umweltorganisationen wie der BUND stellten sich gegen das Projekt. Die NGO, finanziert mit Millionen aus staatlichen Mitteln, hatte sogar ein Verfahren bei der EU-Kommission eingeleitet. Ihr Vorwurf: Verstöße gegen Umweltrichtlinien.

Wirtschaftliche und politische Entscheidungen

Am 1. Dezember 2020 teilte die Bundesnetzagentur mit, dass Vattenfall, der Betreiber der Anlage, am Ausschreibungsverfahren zur Reduzierung der Kohleverstromung teilgenommen hatte. Für beide Blöcke erhielt das Unternehmen einen Zuschlag. Ab dem 1. Januar 2021 durfte der Strom aus Moorburg nicht mehr verkauft werden.

Technisch war das Kraftwerk auf höchstem Niveau. Es versorgte fast ganz Hamburg mit Strom und verursachte im Vergleich zu anderen Kohlekraftwerken geringere CO₂-Emissionen. Die Abschaltung bedeutete den Verlust einer bedeutenden Energiequelle.

Alternative Nutzung statt Reaktivierung

2022 forderte die Hamburger Wohnungswirtschaft angesichts der Gasknappheit infolge des russischen Angriffskriegs eine Prüfung zur Wiederinbetriebnahme. Vattenfall lehnte dies endgültig ab. Stattdessen bleibt die Fläche der Energieerzeugung vorbehalten – jedoch mit neuer Technologie.

Ein Elektrolyseur soll hier künftig Wasserstoff produzieren. Der Bau soll Mitte 2025 beginnen. Bis 2027 rechnet Hamburg mit der ersten grünen Wasserstoffproduktion in Moorburg. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck übergab im Sommer 2024 Förderbescheide in Höhe von 250 Millionen Euro für das Projekt.

Symbol für die Energiewende

„Was für ein schöner Tag, nicht nur wettertechnisch, sondern auch politisch und energiepolitisch“, so Habeck damals. Moorburg stehe beispielhaft für den Wandel der Energieerzeugung. Mit dem Rückbau des Kohlekraftwerks und der Errichtung einer Wasserstoffinfrastruktur entstehe hier ein zentraler Standort für die Dekarbonisierung von Industrie und Energieversorgung.

Während die einen in der Sprengung einen Fortschritt sehen, kritisieren andere die wirtschaftlichen und ökologischen Folgen des Projekts. Drei Milliarden Euro für ein Kraftwerk, das nur wenige Jahre in Betrieb war, bleiben ein umstrittenes Erbe der deutschen Energiepolitik.

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