In vielen Haushalten sorgt die aktuelle Nebenkostenabrechnung für Frust. Besonders Mieter mit Fernwärme-Anschluss blicken entsetzt auf ihre Heizkosten. Die Verbraucherzentralen registrieren derzeit einen deutlichen Anstieg der Beschwerden. Ein Beispiel aus Wallerfangen zeigt, wie massiv die Preissteigerung ausfallen kann. Frank Conrad berichtet gegenüber dem SR von einer Verdopplung seiner Fernwärmekosten – innerhalb nur eines Jahres (sr: 25.03.25).
Massive Preissteigerung trifft Verbraucher hart
Bereits im Vorjahr lagen die Kosten für das Mietshaus von Frank Conrad bei überraschend hohen 1800 Euro. Doch mit dem Anstieg hatte er gerechnet. „Ich habe mit 2400, 2500 Euro gerechnet, eventuell sogar noch ein bisschen höher.“ Die aktuelle Rechnung übertraf jedoch jede Erwartung: 3879 Euro.
Drastische Preissteigerung bei Fernwärme sorgt für Unmut: Verbraucher berichten über Verdopplung der Kosten und fehlende Kontrolle
Dass sich der Preis in so kurzer Zeit mehr als verdoppelt hat, sorgt für Unverständnis. Die Versuche, mit dem Anbieter Kontakt aufzunehmen, blieben erfolglos. Telefonisch ließ sich niemand erreichen. Eine Mailanfrage führte nur zu einer knappen Rückmeldung. Conrad fühlt sich im Stich gelassen: „Ich fühle mich einfach über den Tisch gezogen und es gibt keine vernünftige Erklärung.“
Intransparente Preisberechnung erschwert Verständnis
Die Preisgestaltung des Fernwärme-Verbunds Saar, einer Tochter des Energieunternehmens Iqony, bleibt für Kunden schwer nachvollziehbar. Zwar existiert eine Formel zur Berechnung, doch für Laien bleibt sie undurchsichtig. Ein Interview lehnte das Unternehmen ab. In einer schriftlichen Stellungnahme verwies der Anbieter auf zwei Gründe: das Auslaufen der staatlichen Wärmepreisbremse und die Rückkehr zur vollen Umsatzsteuer.
Besonders die Auswirkungen der weggefallenen Preisbremse hätten den Endpreis nach oben getrieben. Das Unternehmen erklärte wörtlich: „Die Tatsache, dass der reine Wärmepreis sogar geringfügig gesunken ist und dennoch unterm Strich eine so deutlich höhere Belastung zustande kommt“, zeige die Wirkung der Änderungen. Trotz dieser Aussage bleibt für viele Betroffene die Rechnung unverständlich – und die Verärgerung groß.
Überlasteter Kundenservice verschärft Situation
Neben der Kostenexplosion belastet auch der mangelnde Kundenservice die Beziehung zwischen Anbieter und Kunden. Der Fernwärme-Verbund räumt schriftlich ein, dass aufgrund krankheitsbedingter Ausfälle und hoher Nachfrage Anfragen nicht wie gewohnt bearbeitet worden seien. Gleichzeitig verspricht das Unternehmen, die Servicezeiten inzwischen erweitert zu haben. Doch Vertrauen lässt sich damit kaum zurückgewinnen.
Auch die Verbraucherzentralen berichten von einer Flut an Beschwerden. Die Organisationen drängen auf mehr Transparenz und klare Regelungen. Besonders problematisch erscheint, dass ein Anbieterwechsel nicht möglich ist. Im Gegensatz zu Strom oder Gas bleiben Verbraucher an einen Fernwärmeanbieter gebunden.
Rufe nach staatlicher Kontrolle werden lauter
Frank Conrad sieht dringenden Handlungsbedarf. Für ihn steht fest: „Meiner Meinung nach müsste es für die Fernwärme, weil es ja keine Konkurrenz gibt, eine staatliche Kontrolle geben, dass die einen Blick auch auf diese Rechnungen werfen.“ Diese Forderung teilt er mit vielen anderen Betroffenen.
Die Verbraucherzentralen schließen sich dieser Einschätzung an. Einheitliche Veröffentlichungspflichten und standardisierte Begrifflichkeiten sollen die Preisgestaltung nachvollziehbarer machen. Nur so ließen sich die strukturellen Nachteile dieser monopolähnlichen Versorgung ausgleichen. Ohne gesetzliche Kontrolle und Transparenz bleibt die Abhängigkeit bestehen – und das Vertrauen schwindet weiter.
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