Die Nachricht trifft die Region hart. Hessens einziges Stahlwerk Buderus in Wetzlar steht vor dem Aus. Auf einer Belegschaftsversammlung informierte die Geschäftsführung der Münchener Beteiligungsgesellschaft Mutares die Mitarbeiter über die geplante Schließung. Öffentlich hat Mutares diese Entscheidung bislang nicht bestätigt. Für die Beschäftigten bedeutet die Mitteilung jedoch den Verlust hunderter Arbeitsplätze in Hessen (ffh: 26.08.25).
470 Arbeitsplätze bei Buderus bedroht
Rund 470 Stellen im Stahlwerk Wetzlar, in der Verwaltung, in der Schmiede und in weiteren Bereichen sind betroffen. IG-Metall-Vertreter Stephen Mayer erklärte im Gespräch, dass die Angestellten heute von der Geschäftsführung über den drastischen Einschnitt erfuhren. Nach seiner Einschätzung liegt die Ursache vor allem in den massiv gestiegenen Energiekosten. Der hochmoderne Elektroofen des Werks arbeite nicht mehr rentabel. „Es sei günstiger, wenn es stillstehe“, so Mayer.
Buderus schließt Stahlwerk in Wetzlar: 470 Arbeitsplätze in Hessen bedroht – die Industriekrise verschärft die Lage
Auch die Suche nach Käufern blieb erfolglos. Potenzielle Investoren zeigten kein Interesse. Damit verschärft sich die Lage in der Region, denn ein Standort mit jahrzehntelanger Tradition verliert seinen Kernbereich. Besonders im Hinblick auf die Industriekrise bedeutet dies ein schwerer Schlag.
Stahlschmiede bleibt im Konzern
Die Stahlschmiede soll im Besitz von Mutares verbleiben. Dort setzt das Unternehmen offenbar auf Aufträge aus der Rüstungsindustrie. Dagegen plant die Georgsmarienhütte bei Osnabrück, sich am Walzwerk und am Ausbildungsbetrieb zu beteiligen. Verträge für diese Bereiche befinden sich laut IG Metall aktuell in der Unterzeichnung.
Das eigentliche Stahlwerk Wetzlar steht jedoch kurz vor dem Ende. Schon Ende Oktober soll der Betrieb eingestellt sein. Noch in dieser Woche beginnen daher Gespräche mit Betriebsrat und Gewerkschaften über notwendige Sozialpläne. „Das ist extrem bitter, alle sind geschockt, viele arbeiten sehr lange für Buderus Edelstahl. Wir müssen versuchen, in den Sozialverhandlungen gerade für die älteren Kollegen etwas zu tun. Vor allem weil der Arbeitsmarkt sich verschlechtert“, so Mayer.
Traditionelles Buderus-Werk in Schieflage
Buderus beschäftigt am Standort Wetzlar aktuell rund 1150 Mitarbeiter. Das traditionsreiche Unternehmen blickt auf eine lange Geschichte zurück, doch die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich seit Jahren. Mehrfach wechselten die Eigentümer. Von Buderus ging das Werk zu Bosch, später zu Voestalpine und schließlich im Jahr 2024 zu Mutares. Direkt nach der Übernahme leitete die Gesellschaft Rückbaupläne ein und stellte erste Entscheidungen in Aussicht.
Schon im Sommer gab es Hinweise, dass nur die Stahlschmiede eine Chance auf Fortführung besitzt. Gleichzeitig zeigte sich Interesse der Georgsmarienhütte an einzelnen Bereichen. Für die Beschäftigten im Stahlwerk Wetzlar war die Unsicherheit dagegen von Anfang an groß. Viele befürchteten, dass ein Ende unausweichlich sei. Diese Angst verstärkte sich durch die andauernde Industriekrise in Deutschland.
Zerschlagung von Buderus wird Realität
Die Sorgen der Kritiker bestätigen sich nun. Von Beginn an stand der Verdacht im Raum, dass Mutares das Unternehmen in Einzelteile zerlegen könnte. Diese Einschätzung erweist sich aktuell als zutreffend. Für Wetzlar bedeutet das nicht nur den Verlust hunderter Arbeitsplätze in Hessen, sondern auch das Ende eines wichtigen Industriezweigs.
Die Belegschaft reagiert tieftraurig auf das drohende Aus. Jahrzehntelange Erfahrung und Fachwissen drohen verloren zu gehen. Für viele Menschen in der Region markiert die Schließung von Buderus einen Bruch mit einer langen Tradition, die eng mit der Stadt verbunden ist. Gleichzeitig zeigt sich, wie stark die Industriekrise die Wirtschaft belastet. Das traditionsreiche Stahlwerk Wetzlar verliert damit endgültig seine zentrale Rolle.
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